22.03.2017

Grün interaktiv in der "neuen Welt" - Der Ortsverband Washington D.C.

Transatlantische Perspektive, "Sofa-Talks" mit grünen Spitzenpolitikern, Skype-Teilnahme bei OV-Treffen und ein Online-Angebot, durch das die Briefwahl weltweit einfacher wird: Der Ortsverband Washington D.C. von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN eröffnet im Ausland lebenden "Greenies" die Möglichkeit, sich aus der Ferne in die Politk diesseits und jenseits des Atlantiks einzubringen. Nicht nur zu grünen Kernthemen. 

Die Welt wird zusehends globalisierter und viele grün denkende Deutsche zieht es in die Ferne. Viele arbeiten in den USA, unter anderem bei Think Tanks, bei der Weltbank oder den Vereinten Nationen. Andere studieren und forschen an den Universitäten, machen ein Au-Pair-Jahr, sind für ihr Unternehmen eine Zeit lang in den USA oder haben sich längerfristig dort niedergelassen. Trotz des verschobenen Lebensmittelpunkts interessieren sich die meisten weiterhin für die Politik, die in Deutschland gemacht wird und die das Land auf die internationale Bühne trägt. Denn zum einen ist es ihnen nicht egal, was zu Hause passiert, und zum anderen wissen sie, dass man gerade im Ausland oft an der eigenen Regierung gemessen wird. 

Vielen GRÜNEN im Ausland sind die Themen, die der heimatliche Ortsverband beackert, zu fremd, als dass sie sich in der Ferne für sie engagieren würden. Dabei würden der Blick über den Tellerrand und die differenzierten globalen Perspektiven den Debatten in Deutschland oft gut tun und neue Impulse einbringen. 

Um diesen Greenies eine Plattform zu bieten, sich vor Ort zu engagieren - und einfach aus der Lust heraus, mit Gleichgesinnten bis tief in die Nacht über deutsche Politik zu diskutieren - haben wir im April 2008 die ehrgeizige Idee eines eigenen Ortsverbands in Washington D.C. in die Tat umgesetzt. Ursprünglich mit acht Mitgliedern gestartet (mit dem damaligen Bremer Umweltsenator Reinhard Loske als Taufpate und Kai Klose [damals politischer Geschäftsführer der hessischen GRÜNEN] als Ehrengast bei der Gründungsveranstaltung) hat sich der OV Washington in den letzten neun Jahren immer weiterentwickelt und ist mittlerweile auf über 30 Mitglieder angewachsen. Mehr als 150 Sympathisanten zählen wir im Großraum Washington D.C. Gut 4500 Menschen folgen unserer transatlantischen Sichtweise auf Facebook und fast 2000 auf Twitter. Viele unserer OV-ler bleiben dem OV auch nach einem Fortzug aus D.C. treu: Eine rege Gruppe hat sich in New York City gebildet, auch in Boston (Harvard) haben wir Sofa-Talks organisiert und in Berlin berichteten wir im Rahmen unserer "Berliner Brücke" von den Wahlen in den USA.

 

Elektronische Vorstandswahlen und OV-Treffen via Skype

Als etwas anderer Ortsverband mit weltweit mobilen Mitgliedern haben wir neue Formen der Zusammenarbeit eingeführt, sodass Interessierte per Skype and den OV-Treffen teilnehmen, per Online-Collaboration Positionspapiere mitgestalten und elektronisch den Vorstand wählen können. Bei der letzten Jahresversammlung waren Mitglieder auf vier Kontinenten dabei, von Berlin über New Delhi bis nach Kigali, und natürlich vor Ort in Washington D.C. 

Entgegen dem Bild, das einige Deutsche in der Trump-Ära von den USA haben, ist Washington D.C. eine progressive, weltoffene Stadt. Für grüne Ideen gibt es zahlreiche Verbündete. Energiegewinnung, Ehe für Alle oder Bildungsgerechtigkeit: "Grüne Kernthemen", gewinnen in den USA an Fahrt. Unsere Aktiven finden stets Menschen, mit denen sie vor Ort gemeinsam anpacken können. Wenn die US-Bürger*innen auf die Straße gehen, ist der OV Washington oft mit dabei. So haben wir 2010 bei der "Keep Fear Alive" Demo die Amerikaner vor den Risiken der Atomenergie gewarnt, haben beim People's Climate March riesige luftgefüllte Weltkugeln tanzen lassen und beim Weltfrauentag Flagge und Pussyhat gezeigt.

Zudem möchten wir unsere Eindrücke und Erfahrungen aus den USA in die Debatten in der Heimat einfliessen lassen. Zum Beispiel haben wir den Aufstieg Donald Trumps zum US-Präsidenten hautnah miterlebt - und in einem Papier Gründe für diese Entwicklung analysiert, inklusive möglicher Warnungen und Inspirationen daraus für GRÜNE zuhause. 

 

Grüne Sofa-Talks

Als besonders spannend und erfrischend bezeichnen Gäste wie Teilnehmer*innen unsere regelmäßigen "Sofa-Talks": Bei den offenen, lockeren Gesprächen zwischen unseren Greenies und Gästen aus der GRÜNEN Politik entwickelt sich stets ein für beide Seiten inspirierender Dialog. Während wir gespannt den Berichten und Anekdoten unserer Gäste lauschen, bekommen diese von uns eine offene Einschätzung zu den Themen, die sie nach D.C. geführt haben. Schon so mancher Gast ist mit einer Menge Input seitens unserer Greenies nach Deutschland zurückgekehrt. 

Meist versammeln sich sich ca. 15 bis 25 Teilnehmer*innen in gemütlicher Wohnzimmer-Atmosphäre, manchmal kommen aber auch 50 bis 150 Menschen zu unseren Events. In manchen Jahren hatten wir bis zu dreizehn Sofa-Talks mit Spitzen- und Fachpolitiker*innen wie Herrmann Ott, Katrin Göring-Eckardt, Tony Hofreiter oder Cem Özdemir. Aber auch Daniel Cohn-Bendit oder Marianne Birthler haben bereits mit uns auf dem Sofa diskutiert. Jürgen Trittin, Reinhard Bütikofer, Gerhard Schick, Konstantin von Notz, Jan Philipp Albrecht und viele andere waren schon mehrmals bei uns. 

 

Eine Wahl, die uns alle betrifft

Die Bundestagswahl ist wichtig für uns alle. Nicht nur für Deutsche und nicht nur für Deutschland. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, grüne Inhalte zu verbreiten und nach außen zu tragen, weshalb ein gutes GRÜNES Ergebnis in Deutschland auch für die USA Signalwirkung hätte. Auf Bundesstaatsebene und in der US-Zivilgesellschaft wächst der Widerstand gegen die Klimapolitik Trumps. Dies zeigt, dass eine starke Wirtschaftsnation wie die USA hinter dem Pariser Klimaabkommen stehen kann, auch wenn ihre Regierung es untergräbt. Starke GRÜNE im Bundestag wären ein guter Anfang, um den Amerikanern bei einer vernünftigen Klimapolitik und einer erfolgreichen Energiewende zu helfen.

Europa bleibt von zentralem Interesse für die USA, ganz gleich, was Trump bezüglich der NATO behauptet hat. Nach wie vor ist Europa einer der zentralen Exportmärkte für US-Amerikanische Waren, nach wie vor sind die EU und andere europäische Staaten die wichtigsten internationalen Verbündeten der USA, ob nun in internationalen Organisationen oder in bilateralen Beziehungen. Gemeinsam mit starken GRÜNEN, die sich als eine pro-europäische Partei klar für die Stärkung der EU einsetzen, könnten Amerika und Europa auf transnationaler Ebene die entscheidenden globalen Herausforderungen angehen.

Sich als Deutsche im Ausland in die Politik zu Hause einzubringen heißt aber auch, einfach und unkompliziert an Wahlen teilnehmen zu können. Leider ist das derzeitige Auslandswahlrecht mit unnötigen Hürden gespickt, die viele vor der Wahl abschrecken. Eines der politischen Kernziele des OV Washington ist es daher, das Auslandswahlrecht zu vereinfachen.

Um den Menschen die Teilnahme an Wahlen zu vereinfachen, bietet der OV Washington seit 2009 zu allen Bundestags- und Europawahlen sowie zu den meisten Landtagswahlen die direkten Links zur einfachen Beantragung von Briefwahlunterlagen an. Auch in diesem Jahr gibt es auf unserer Seite wieder eine Suchmaschine mit den Links ins richtige Wahlbüro.

 

Grüne Weltweit

Über all die Jahre haben wir festgestellt, dass es nicht nur in Washington D.C. GRÜNEN-Aktive gibt, deren Lebensmittelpunkt sich außerhalb Deutschlands abspielt. Vor allem für junge Leute, die während ihrer Ausbildung oder in den ersten Berufsjahren immer wieder den Ort wechseln, bieten die deutschen Parteien derzeit nur wenige Möglichkeiten, sich vor Ort zu engagieren.

Diesen international mobilen Greenies überall auf der Welt wollen wir mit unserem Projekt "Grüne Weltweit" eine politische Heimat bieten. Wir bauen derzeit ein Netzwerk auf, in dem sich diese Menschen miteinander verknüpfen können.

Bald gibt es dann hoffentlich nicht nur weltweit grüne Sofa-Talks, sondern auch die Chance, die grüne Debatte mit Inputs aus aller Welt zu bereichern. Entscheidungsträgern wird das Netzwerk zudem die Möglichkeit bieten, bei internationalen Fragen viel besser auf das Insiderwissen vor Ort zurückgreifen zu können. 

Wir hatten "Grüne Weltweit" am Rande der letzten German Harvard Conference in Boston vorgestellt, zusammen mit Reinhard Bütikofer. Bei den Studierenden ist die Idee auf großes Interesse gestoßen. Mehr Informationen gibt es hier

 

In Washington D.C. freuen wir uns immer über Besuch und neue Kontakte und laden euch herzlich dazu ein. Bitte meldet euch bei uns, wenn ihr euch mit uns austauschen wollt, oder wenn ihr euch bei "Grüne Weltweit" angesprochen fühlt.

 

Dieser Artikel erschien in der März 2017 Ausgabe der "Grünfläche", der Zeitschrift von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Hessen.

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